Jörg Schieb erläuterte die Entwicklung und Hintergründe zu dem derzeit größten Hype in der Tech- und Finanzwelt und führte auf, welche Auswirkungen die Blockchain auf Gesellschaft und Industrie haben wird beziehungsweise welchen Einfluss sie auch auf die Onlineprint-Industrie nehmen könnte. „Die Blockchain verändert aber nicht nur die Art und Weise, wie Produktionsprozesse ablaufen, sondern könnte auch Papier und Druck ersetzen. Doch bevor die Blockchain im Mainstream ankommt, muss sich herausstellen, an welcher Stelle wirklich ein Nutzen für den einzelnen Akteur entsteht – seien das Firmen, Endkunden oder Technologieanbieter“, so der Schieb.

„In dem Konzept Blockchain stecken durchaus Chancen für uns alle. Denn die Blockchain ist eine äußerst interessante Technologie“, erklärte der ARD-Digitalexperte Jörg Schieb. 

Wer die Blockchain verstehen will, müsse allerdings umdenken, sagte Jörg Schieb. „Denn die Mechanismen und die Funktionsweise sind anders als bisher. Daten sind nicht mehr zentral in einer Datenbank gespeichert, sondern auf ganz vielen gleichzeitig. Alles sicher verschlüsselt und verkettet. Eine Transaktion nachträglich verändern oder manipulieren? Ist nicht!“, so ARD-Experte und Fachautor für Digitalthemen. Das mache auch den Charme der Blockchain aus. Vorgänge seien transparent und Transaktionen sicher vor Manipulationen. Alleine das schon mache die Blockchain in vielen Bereichen attraktiv. Onlinegeschäfte und Handel könnten auf Kryptowährungen umsteigen, das Bezahlen mit Kreditkarten etc. könnte noch einfacher und sicherer werden – das Sich-Ausweisen mit dem elektronischen Personalausweis ebenfalls.

Es stecken also viele Chancen drin. Deutsche Unternehmen entwickeln zurzeit Lösungen, die schon bald weltweit von Interesse sein könnten und sich zu einem enormen Wettbewerbsvorteil entwickeln – auch und ganz besonders in der Druckindustrie. „Denn die Blockchain kann zwar auf der einen Seite Papier und Druck ersetzen, zum anderen aber auch Abläufe in der Produktionskette beschleunigen und sicherer machen“, analysierte Schieb.

Blockchain in der Medienwelt

Derzeit denken viele Branchen und Unternehmen darüber nach, wie sie die Blockchain-Technologie sinnvoll für sich nutzen können. Schon bald könnte es zum Standard werden, Daten in der Blockchain zu übertragen, zu übergeben – und so vor Manipulationen zu schützen. „Das wird früher oder später – eher früher! – auch eine Herausforderung für die Druckindustrie. Nicht nur, um in der Produktionskette Daten per Blockchain auszutauschen, sondern auch, um sicherzustellen, dass die zu druckenden Informationen verschlüsselt übertragen und manipulationssicher sind.

Werden Texte, Fotos, Grafiken oder andere Inhalte per Blockchain übertragen, lässt sich bis zum Anwerfen der Druckmaschinen nachvollziehen, wer welche Daten auf den Weg gebracht und wer möglicherweise Korrekturen vorgenommen hat. Es ist dann unmöglich, dass Unbefugte etwas daran ändern – etwa ein Wort austauschen oder ein Bild ersetzen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es schon bald eine Standardanforderung sein wird, die Blockchain in Print zu unterstützen, weil es häufig um sensible Daten und Vorgänge geht“, machte Jörg Schieb deutlich.

Die Blockchain könnte aber auch erheblichen Einfluss auf den Umgang mit Fotografien haben, die heute von Bildagenturen bezogen werden. „Künftig könnten sich all jene, die Fotos brauchen, in einem Pool angebotener Fotos bedienen und die Fotografen per Smart Contracts direkt entlohnen. Dasselbe bei Texten. Es ist also wichtig, als Druckindustrie in diesem Prozess integriert zu sein“, so Schieb.

„Mittelsmänner verlieren an Bedeutung. Autoren könnten bezahlt werden für ihre Texte, Leser könnten ganz einfach bezahlen. Dasselbe gilt für Musik, Videos und andere Inhalte. Es wird einfacher werden, die Inhalte anzubieten und damit etwas zu verdienen. Jeder kann sehen, wem die Inhalte gehören – und ob sie manipuliert wurden. Es ergeben sich interessante Möglichkeiten für uns alle.“