„Wir befinden uns bereits mitten im Transformationsprozess zu einer solchen Smart Factory“, stellte Trond Erik Isaksen, Inhaber der 2007 gegründeten Livonia Print SIA, fest. Bisher war das 600 Mitarbeiter zählende Unternehmen in Riga Offset-orientiert im Publishing- beziehungsweise Verlagsgeschäft unterwegs. Die konventionelle Strategie hat aber ihre Haken, denn die Buchbranche steht vor großen Herausforderungen. Dies betrifft die gesamte Wertschöpfungskette des Produktes Buch über alle Marktteilnehmer hinweg – Zulieferer, Verlage, Druckereien, Logistiker und Handel. So ist es für Verlage von hohem Interesse, die Auflagen und damit den Lagerbestand so gering wie möglich zu halten, gleichzeitig aber die Lieferbarkeit der Titel zu sichern.

„Wir befinden uns bereits mitten im Transformationsprozess zu einer Smart Factory“, stellte Trond Erik Isaksen, Inhaber der 2007 gegründeten Livonia Print SIA, fest.

Jährlich produziert die lettische Druckerei 45 Millionen Bücher, von denen 99,7% exportiert werden. Dabei beläuft sich die durchschnittliche Auflagenhöhe im Offsetdruck mittlerweile auf nur rund 1.500 Exemplare pro Auftrag. Die Auflagen gehen also spürbar zurück, wobei die Anzahl der Titel gleichzeitig zunimmt. In bestimmten Bereichen wie etwa bei Nachdrucken werden sogar nur noch wenige Hundert Büchern pro Titel benötigt.

Das führt auch dazu, dass sich die Relationen verschieben. „Früher beanspruchte die Produktion etwa 80% der Auftragszeit, 20% die Administration. Das hat sich inzwischen umgekehrt“, so Isaksen. „Deshalb investieren wir in eine völlig neue und automatisierte Plattform, die es unseren Kunden ermöglicht, unabhängig vom Produkt und der Auftragsgröße kostengünstig Bücher zu bestellen. Die Umwandlung in eine Smart Factory geht dabei Hand in Hand mit der Digitalisierung der Prozesse und der Produktion.“

Digitalisierung ist also das größte Thema bei Livonia, die eine komplett neue vernetzte Plattform über das gesamte Unternehmen stülpt. Marc Freitag, Head of Business Development Digital bei Livonia, ist der Verantwortliche für das Digitalisierungsprojekt und erläuterte, wie das Ziel des Daten- und Maschinenprozesses etabliert wurde, um eine kostengünstige Produktion in jeder Auflagenhöhe ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Der studierte Wirtschaftsingenieur war vor seiner jetzigen Tätigkeit einige Jahre in der IT-Branche unterwegs und neun Jahre als Produktmanager für Müller Martini im Hardcover-Segment. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der ganzheitlichen Digitalisierung des Unternehmens vom Kundenkontakt bis zur Auslieferung. Dieser Schritt ist notwendig, um Prozesse maximal zu automatisieren und die heute zwingend erforderliche Transparenz zu schaffen.

„Hochautomatisierte Druck- und Weiterverarbeitungsanlagen können ihr volles Potenzial allerdings nur dann ausschöpfen, wenn sie vollständig in ein intelligentes Workflow-System integriert sind“, so Freitag. Dazu sei hochautomatisiertes Equipment in Press und Postpress notwendig. Dies allein helfe aber nicht, wenn die Maschinen nicht zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Daten gefüttert würden, um daraus Aktionen zu generieren. Die ganzheitliche Lösung bei Livonia ist daher auch ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Hersteller.

Er hat es nicht explizit erwähnt, aber nach unserer Recherche sind Canon, Müller Martini, Hunkeler und Crispy Mountain an dem Projekt beteiligt. Und dabei kommen JDF und JMF offenbar erfolgreich zum Einsatz. „Für die Auftragsannahme haben wir ein eigenes Portal entwickelt, über das die Verlage ihre Bestellungen aufgeben können. Dieses Portal übermittelt alle Daten an das ERP-System, das die jeweilige Produktion anstößt. Das erlaubt uns, in Echtzeit für jedes Produkt in unserem Portfolio eine dynamische Kalkulation abzubilden“, so Marc Freitag.

Marc Freitag, Head of Business Development Digital bei Livonia, ist der Verantwortliche für das Digitalisierungsprojekt und erläuterte die Vorgehensweise.

Die transparente Integration von Systemen und Maschinen und ein kontrollierter Workflow über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg schaffen die Basis für ein zukunftsorientiertes Geschäft. Die technische Grundlage dafür sind vernetzte Systeme auf allen Prozessstufen. Softwareseitig braucht es ein modernes ERP-System, über das von der Angebotskalkulation bis hin zur Auslieferung des fertigen Produkts alle Produktionsschritte kontrolliert und gesteuert werden können. „Digitalisierung bedeutet ein hundertprozentiges Umdenken bei allem, was in der Vergangenheit getan wurde“, so Marc Freitag: „Wenn Sie einen beschissenen Prozess digitalisieren, erhalten Sie nur einen beschissenen digitalisierten Prozess.“