Potenzial dürfte auch im hiesigen Werbemittel-Markt liegen, der in der E-Commerce-Landschaft bisher noch ein weißer Fleck war. Der Markt für Werbeartikel ist alleine in Deutschland rund 3,6 Mrd. Euro schwer, im D/A/CH-Bereich über 4,5 Mrd. € und in Europa über 15,0 €. Da sollte man doch annehmen, dafür gäbe es längst eine geeignete Plattform im Internet. Dem war aber bisher nicht so. Jürgen Geiger, Vorstand der Geiger-Notes AG und Vorstandsmitglied im Gesamtverband der Werbeartikelwirtschaft (GWW), sah die Chance, mit dem Aufbau eines geeigneten Marktplatzes die Vakanz zu schließen und den traditionell offline betriebenen Markt mit Online-Geschäftsmodellen zu verknüpfen. Schließlich sind in der Werbeartikel-Wirtschaft Deutschlands 3.500 Berater und Händler sowie 500 Hersteller und Importeure unterwegs.

Der Werbemittel-Marktplatz „mypromo“, der im 2. Quartal 2019 live geht, wird nun Kunden, Händler und Hersteller miteinander verbinden und die Player im Markt von der analogen in die digitale Welt heben, ohne deren Geschäftsmodelle zu ersetzen. Das Spannende an „mypromo“ ist, dass ein digitales Netzwerk über die gesamte Branche gespannt wird – und zwar mit einer Plattform, die selbst gar nichts verkauft, sondern White-Label-Shops zur Verfügung stellt und kuratierte Werbeartikel- und Lifestyleseiten mit relevantem Content bietet.

Und so funktioniert mypromo: Der Abnehmer generiert seine Druckdaten im Händlershop – über Upload oder Editor. Die Daten werden in Echtzeit geprüft, optimiert und visuell in 3D aufbereitet, damit der Besteller die Druckfreigabe direkt erteilen kann. Er füllt den Warenkorb und löst seine Bestellung beim Händler aus. Diese schlägt bei mypromo auf und wird samt Druckdaten sofort an den Hersteller weitergeleitet. Beide Partner importieren die generierten kaufmännischen Daten über Schnittstellen in ihre eigenen IT-Systeme. Der Hersteller produziert, liefert via Drop-Shipping an den Abnehmer und fakturiert an den Händler. mypromo ist lediglich Plattformbetreiber und tritt an keiner Stelle optisch oder als Vertragspartner in Erscheinung.

Jürgen Geiger, CEO & Gründer mypromo.com; Source: #OPS2019

„Die Vertrags-Lieferanten stellen ihre Artikel ins System ein, mypromo übernimmt das Templating für die Druckdaten: Einfach soll es für den Anwender sein und mit guten Ergebnissen für den Hersteller. Und zwar im Digitaldruck, in Offset, Flexo, Inkjet, Siebdruck, Tampondruck, Prägung, Gravur, Ätzung, um nur die Wichtigsten zu nennen. Und das auf zig verschiedenen Oberflächen. Eine ganz besondere Herausforderung für jede Daten-Engine“, erläutert Jürgen Geiger.

Doch die wohl größte Herausforderung beim Aufbau von mypromo war für ihn das rechtssichere Definieren der AGBs, der Verträge zwischen Handelspartnern und Lieferanten sowie der Guidelines zwischen den am Marktplatz Beteiligten. „Seit einigen Jahren hat mich schon die Überzeugung umgetrieben, dass es einen Impuls, eine unternehmerische Initiative braucht, um die dringend notwendige Digitalisierung in unseren Markt zu tragen“, erklärte Geiger. „Vor eineinhalb Jahren habe ich das Geschäftsmodell von mypromo.com erstmals skizziert und wir haben sofort mit der Realisierung begonnen.“

Mypromo ist also quasi ein Start-Up mit einem Team von fünf Leuten, das sich bis Ende des Jahres verdoppeln dürfte. Die müssen aber auch bezahlt werden und dazu muss mypromo Geld verdienen, stellte Jürgen Geiger fest: „Das Finanzierungsmodell besteht aus einer überschaubaren Monatsgebühr für das Bereitstellen des Systems und einer Umsatzprovision im Skontobereich, die vom Handelspartner und Lieferanten entrichtet werden. Damit wird die Plattform paritätisch finanziert.“

Mit seinem Vortrag zeigte Jürgen Geiger aber nicht nur beispielshaftes strategisches Vorgehen auf, sondern auch die Dimensionen, die mit dem Aufbau einer solchen Plattform verbunden sind. Das macht man nicht mal eben so nebenbei. 18 Monate Planung, Realisierung und Feinabstimmung sprechen für sich.