In der Summe machten diese Druckereien 2019 onlinegetriebene Umsätze in Höhe von 8,10 Mrd. €. Das ist etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes der Druckindustrie in den D/A/CH-Ländern. 2018 lag der Wert noch bei 7,85 Mrd. €. Und für 2020 hat der Market Research von zipcon consulting einen Umsatz von 8,74 Mrd. € errechnet. Das entspricht einem Zuwachs von im Schnitt 7,5%. Zippers Prognose zur Marktentwicklung in D/A/CH: B2C wird um 7,1% wachsen, B2B um 8,5%.

Die Top 5 der Onlineprinter Cewe, Cimpress (mit der jeweiligen Landesbeteiligung), Flyeralarm, Onlineprinters und United Print machten 2019 einen Umsatz von gesamt 1,7 Mrd. € bei einem durchschnittlichen Wachstum von 9,5%. Dazu gehören natürlich auch die Umsätze, die in den unterschiedlichen Ländershops in Europa erzielt werden. Die großen Player wachsen durch neue Angebote (LFP, Werbemittel, Nischenprodukte) und gleichzeitig setzt der Preiskrieg die Anbieter von Standard-Produkten weiterhin unter Druck. Commodities sind nun einmal Drucksachen, mit denen am wenigsten verdient werden kann.

Dabei herrscht nach den Zahlen von Bernd Zipper generell ein gutes Klima für Onlineprint in Europa, wobei sich die Märkte in Frankreich, Spanien, Italien und in den baltischen Staaten besonders gut entwickeln. Der Brexit beflügelt die Print-Umsätze in UK, Ballungsräume sind ohnehin erfolgreich, wobei die Netz-Infrastruktur und 4G/5G-Abdeckung wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Zugleich wächst eine neue Gattung von Drucksachen heran: Social-Media-Print. Gemeint ist damit, dass Inhalte von Instagram, Verläufe von WhatsApp oder Facebook und anderen sozialen Medien nun auch gedruckt werden.

Welche Trends sind zu beachten?

Neben den eingangs erwähnten Trends sticht der Megatrend Mass Customization ganz besonders hervor. „Ja, es gibt natürlich auch weiterhin Mass-Production-Umsätze“, räumte Zipper ein. „Aber es gibt einen Paradigmenwechsel, nachdem Auflage 1 durch Highspeed-Inkjekt und Web-to-Print bezahlbar geworden ist. Und es wächst eine Generation heran, die für Mass-Customization-Lösungen hoch sensibel ist.“ Digital getriggerte Print-Produkte für das One-to-One-Marketing in Auflage 1 samt intelligenter Logistik-Konzepte gehören dabei auch zum Megatrend Individualisierung. Hier könnte sich für die Branche sogar eine neue Dienstleistung auftun.

Doch Onlineprint müsse im Zuge der Individualisierung auch verstehen, dass im E-Commerce jeder Kunde in seinem Kanal erreicht werden muss, damit beim bevorstehenden Paradigmenwechsel neue Umsätze erschlossen werden könnten, mahnte Zipper: „Denn wir haben es heute mit multioptionalen Kunden zu tun. „Den“ Kunden gibt es nicht mehr.“ Zudem ließe die Simplifizierung von komplexen Prozessen Lean Onlineshops entstehen. Viele Prozesse wanderten in die Cloud und die Kosten würden über Clickrate, Miete oder andere Vertragsmodelle vertretbarer als der Kauf.

Und das ist nach Bernd Zipper die neue DNA für Print: „Lean. Agil. Virtuell. Kooperativ. Plattformen verbinden Anbieter, Zwischenhandel und Endkunden. Print wird agil, Print wird individuell, Print wird modern. Nicht zuletzt durch die Errungenschaften des Onlineprint.“