Es lohnt sich immer, einen Blick auf andere Märkte zu werfen, vor allem wenn es um den direkten Nachbarn Frankreich geht und dieser zu den großen drei europäischen Märkten zählt. Antoine Roux, Gründer von Printoclock.com, bewertete in seiner Präsentation beim OPS nicht nur die Größe der Druckindustrie in Frankreich, sondern nannte zudem die besonderen Eigenheiten des französischen Onlinedruck-Marktes.

Allein die Zahlen lassen staunen: Frankreich hat rund 67 Mio. Einwohner, also gar nicht so viel weniger als Deutschland. Die Druckindustrie macht aber nur einen Umsatz von 8,6 Mrd. € (in Deutschland sind es um die 20 Mrd. €), von denen Commercial Print 3,2 Mrd. € ausmacht.

Diesen Markt teilen sich zig Tausend klassische Druckereien (in offiziellen Statistiken ist von über 17.000 Betrieben die Rede), Antoine Roux nannte 2.945 – und etwa 50 Onlinedrucker, von denen etwa 20 nicht aus Frankreich kommen. Und die Top 3? Man höre und staune: Saxoprint, Onlineprinters und easyflyer – die beiden erstgenannten dürften hierzulande als Marktgröße bekannt sein, easyflyer ist ein französisches Unternehmen, wurde aber bereits 2015 von Cimpress übernommen.

Antoine Roux nannte interessante Zahlen zur Größe der Druckindustrie in Frankreich und sprach zudem über die Besonderheiten des französischen Onlinedruck-Marktes. 

Demnach haben die französischen Drucker den Markt komplett verpennt. „Die Onlineprinter in Frankreich wurden fast alle von Marketing-Leuten gegründet. Insgesamt ist der französische Onlinemarkt aber ein Reseller-orientierter Markt. Und der macht vielleicht 1 bis 2 Millionen Euro aus“, erklärte Roux. Das wäre aber immerhin ein Drittel des Commercial-Print-Marktes.

Warum das in Frankreich so ist, erklärt vielleicht auch die Karriere von Antoine Roux. Er begann in den 2000er Jahren in IT- und Start-up-Unternehmen, war begeistert von den ersten erfolgreichen Online-Unternehmen und wollte eines Tages sein eigenes Web-Projekt starten. Vorher wollte er sich aber noch einen anderen Traum erfüllen: Für Musikbands zu arbeiten, dass es nur so rockt! Dabei begann er, Plakate und Flyer an die Unterhaltungsindustrie zu verkaufen. Denn Print war der beste Weg, Bands zu promoten. 2008 gründete er PrintOclock mit seinen Marketing- und IT-Kenntnissen. Seit 2012 produziert er selbst (vor allem im Large Format) und druckt als wachsendes und profitables Unternehmen täglich etwa 1.000 Aufträge. Der Onlineprint-Markt könnte in der nächsten Dekade aber insbesondere mit Verpackungs- und Etiketten wachsen, glaubt Antoine Roux.