Offensichtlich sind unsere holländischen Nachbarn besonders kreativ, wenn es um die Wahl der Geschäftsmodelle geht. Bei der Vermarktung von Printprodukten via Internet gibt es ja verschiedene Wege, die wohl alle ihren Reiz und ihre Erfolgs-Chancen haben. Es gibt Auftragsvermittler oder Drucksachen-Vermarkter ohne eigene Produktionskapazitäten (die dann beispielsweise bei RPI produzieren lassen), daneben die reinen Online-Drucker, die das Gros ihres Angebotes auch selbst drucken, und bei der Kundenansprache unterscheidet man üblicherweise in B2C- und B2B-Shops. Einen völlig anderen Ansatz geht der aus den Niederlanden stammende Onlineprinter Probo, der ausschließlich Wiederverkäufer beliefert – und zwar ausnahmslos mit digital Gedrucktem im Large Format Printing. Ein Nischenanbieter, wenn man so will, aber sehr erfolgreich.

Das 2001 gegründete Unternehmen aus Dokkum in Nordholland betreibt seit 2012 eine Onlinepräsenz und pflegt einen Stamm von mehr als 3.000 aktiven Kunden. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, doch jeder der von Probo adressierten Reseller kann seinerseits durchaus einen vier- bis fünfstelligen Kundenstamm haben. Gewachsen ist das Unternehmen vor allem durch gut laufende Geschäfte in den Benelux-Ländern – die Expansion nach UK und Deutschland mit jeweils eigener Domain waren dann eine logische Konsequenz. 2018 hat Probo mit rund 330 Mitarbeitern ein Umsatzvolumen von über 40 Mio. Euro generiert und ist einer der wachstumsstärksten Drucker und Marktführer in den Benelux-Ländern.

René de Heij, CEO Probo; Source: #OPS2019

Auflage 1 im Großformat kann sich also lohnen. Im Shop von Probo finden sich vom Asphaltaufkleber über Fotodrucke bis zum Poster für die Außenreklame über 200.000 Printprodukte in den verschiedensten Größen auf mehr als 250 Materialien. Topseller sind großformatige Banner. Doch dieser Markt wird aufgrund des Preisverfalls immer weniger interessant, so der Probo-CEO René de Heij. 2001 wurde ein Quadratmeter Banner noch mit 12 Euro gehandelt – heute sind es nur noch 7 Euro. „Viele Online-Anbieter setzen dennoch auf diese Produkte, weil sie sich gut verkaufen lassen. Damit sind sie aber einem enormen Preiskampf ausgesetzt und bei der Vermarktung zum größten Teil auf Google angewiesen“, erläuterte de Heij in seinem Vortrag.

Statt aber der nächste Google-Süchtige zu werden, lässt sich Probo lieber von ausgefallenen Ideen inspirieren und setzt eigene Konzepte um. So ist Probo inzwischen in den Etiketten-Markt eingestiegen und beteiligt sich als LFP-Drucker am lukrativen Feld „digitaler Textildruck“ – und zwar nicht nur mit T-Shirts etc., sondern mit Bettwäsche, Kissen und Tischdecken. Dabei reicht „bewährtes“ offenbar nicht aus. Auf der Suche nach Innovationen hat René de Heij mit „accusticpro“ ein neues Geschäftsfeld angestoßen: Dabei handelt es sich um ein Lärm absorbierendes Textil-Interior aus recycelten Jeans. Und als neuen Trend hat de Heij großformatige und personalisierte Wanddekorationen erkannt. Auch hierbei verknüpft Probo E-Commerce und Fulfilment mit eigener Fertigung.

Und da der Versand der großformatigen Produkte über Kurierdienste äußerst kostenintensiv und zum Teil unzuverlässig ist, baut Probo mit „Onbezorgd“ zurzeit einen eigenen Transportservice in den Beneluxländern und im Westen Deutschlands auf. „Think big, start small, act fast“, sei auch hierbei das Motto, schloss René de Heij.