Ingo Rübe ist Gründer und CEO der BOTLabs GmbH, einem Berliner Startup, das eine Lösung für selbstbestimmt digitale Identitäten unter Nutzung von Blockchain-Technologien entwickelt. Das Unternehmen wurde im Januar 2018 gemeinsam mit dem Minderheitsgesellschafter Burda gegründet. Ingo Rübe hat ein Blockchain-Protokoll für die dezentrale, selbst-souveräne Verwaltung von Daten ins Leben gerufen, das zahlreiche neue Businessmodelle rund um die Ressource „Vertrauen“ ermöglicht.

Was ist eine Blockchain?

Aber was ist nun eine Blockchain und wo sind die konkreten Anwendungen? Eine Blockchain ist ein dezentralisiertes Buchhaltungssystem, eine kontinuierlich erweiterbare Kette von Datensätzen (Blöcke), die mit kryptografischen Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise einen sicheren Code des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.

Ingo Rübe ist Gründer und CEO der BOTLabs GmbH, einem Berliner Startup, das eine Lösung für selbstbestimmt digitale Identitäten unter Nutzung von Blockchain Technologien entwickelt. 

„Dezentrales Buchhaltungssystem deshalb, weil der jeweils richtige Zustand dokumentiert wird, weil viele Teilnehmer an der Buchführung beteiligt sind. Was dokumentiert werden soll, ist zunächst einmal unerheblich. Entscheidend ist, dass spätere Transaktionen auf früheren Transaktionen aufbauen und diese als richtig bestätigen, indem sie die Kenntnis der früheren Transaktionen beweisen“, hielt Rübe fest. „Damit wird es unmöglich, die Existenz oder den Inhalt früherer Transaktionen zu manipulieren, ohne gleichzeitig alle späteren Transaktionen zu zerstören. Andere Teilnehmer, die Kenntnis der späteren Transaktionen haben, würden eine manipulierte Kopie der Blockchain daran erkennen, dass sie Inkonsistenzen in den Berechnungen aufweist.“ Das erklärt auch, was Rübe im Zusammenhang mit der Blockchain unter „Vertrauen“ versteht.

Zwei schematische Darstellungen aus der Präsentation von Jörg Schieb, die das Prinzip einer Blockchain verdeutlichen: Die Struktur ist dezentral (links) und manipulationssicher. Wer ein Hütchen herausnimmt, zerstört die gesamte Struktur. Eine Manipulation würde sofort auffallen.

Bei der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile einer zentralen Datenbank und einer Blockchain wurde daher auch nachvollziehbar, warum derzeit viele Branchen und Unternehmen darüber nachdenken, wie sie die Blockchain-Technologie sinnvoll für sich nutzen können. „Eine zentrale Datenbank ist zwar vergleichsweise leicht zu verwalten, ist kosteneffizient und schnell, dafür aber anfällig für Korruption, für Versagen und für Angriffe von innen und außen sowie zudem höchst undemokratisch“, erläuterte Rübe. „Eine Blockchain ist dagegen korruptions- und angriffsresistent, ausfallbeständig und demokratisch – dafür aber kompliziert in der Verwaltung, teuer im Betrieb und durch den notwendigen Konsens langsam.“

Alternative zum kaputten Internet

Die wichtigsten Anwendungen für die Blockchain sind – nach zehn Jahren – von der Kryptowährung Bitcoin und dem Vorstoß von Facebook (Libra) abgesehen, in der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt gebliebene Applikationen im Bereich DeFi (dezentralisierte Finanzen). Ungeachtet dessen ist es aber bereits ein 500-Milliarden-Dollar-Markt, stellte Ingo Rübe fest.

„Die Blockchain kann aber zu einer Alternative des kaputten Internets werden“, führte er aus. „Dann gibt es gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Anbieter von Anwendungen, Datensouveränität für die Benutzer und eine Unabhängigkeit von den US-Cloud-Anbietern.“

Denn im gegenwärtigen Internet sei die Macht zentralisiert. Eine Handvoll Firmen kontrollieren den Speicher, die Rechenleistung, die Identitäten und die Daten der Internetteilnehmer. Cloud-Speicher wird hauptsächlich von Amazon, Google, Microsoft und Apple angeboten. Nur einige wenige Cloud-Dienste speichern also die Informationen der Welt. Facebook und Google halten unsere digitalen Identitäten. Unsere persönlichen Daten werden in zentralen Profilen gespeichert, die von den Unternehmen kontrolliert werden, die auch die Speicherung kontrollieren. Das Monopol weniger Plattformen führte immer wieder zur Kritik und dem Wunsch den Internetriesen ihre Macht zu nehmen. Das könnte mit der Blockchain-Technologie gelingen.

Aber, so Rübe: „Zunächst muss die Benutzerfreundlichkeit für eine Massenanwendung erhöht werden. Dabei müssen die Blockchain-Szene, Industrie und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten“, erläuterte Rübe. Dann könnte die Blockchain die Infrastruktur für die nächste Entwicklung des Web sein und einen noch höheren Wert als die Internetindustrie akkumulieren. Es könnte ein dezentralisiertes Finanzwesen entstehen, Krypto-Währungen könnten zum „digitalen Gold“ werden, stabile Münzen würden von der Industrie und Banken angenommen und Sicherheitsmarken ersetzten Aktien, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Klingt alles futuristisch, wird aber nach Einschätzung von Ingo Rübe sicherlich kommen.